Henning Studte - Cartoons
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Lesen Sie noch oder hat das schon Ihr Hund übernommen?

Mittlerweile sind Nichtleser in Deutschland erstmals in der Mehrheit und die Leser im Rückzug begriffen. Was ist da los?
Es gibt wohl kaum einen Lebensbereich, in dem sich der technische Fortschritt so stark ausgewirkt hat wie beim Buch. Denn die heutige Zeit wird immer digitaler. Alles muss smart sein, so scheint es, und selbst das Tragen von Büchern ist den meisten Menschen zu anstrengend. Also kaufen sie diese nicht mehr im Buchladen um die Ecke (den es infolgedessen nicht mehr gibt), sondern „übertragen das Tragen“ anderen – online bestellen und durch billig bezahlte Boten bis an die Haustür liefern lassen. Doch werden Bücher wirklich noch gelesen oder nur abgestellt und vergessen?

Das waren noch Zeiten, als so mancher Bildungsbürger früher voller Stolz vor seinem sorgfältig sortierten Bücherregal stand und, vielleicht sogar mit Recht, behaupten konnte: „Alles selbst gelesen!“
Heute wandern diese Schätze in öffentliche Bücherschränke, die mittlerweile in jeder kleinen Ortschaft aufgestellt werden. Wenn Verwandte sterben (oder auch schon vorher, weil das alles sowieso keiner mehr liest) und eine Privatbibliothek hinterlassen, wandern die bedruckten Seiten meistens dorthin, wo sie zum Mintnehmen präsentiert und im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung präsent bleiben.

Die Gefahr, Opfer eines schweren Haushaltsunfalls, also von der eigenen Bücherwand erschlagen und vom geballten Wissen begraben zu werden, schwindet insofern immer mehr dahin. Von einer „Lesegefahr“ zu sprechen, scheint also völlig unbegründet.

Das waren noch Zeiten, als es alte Bücherkäuze gab, die sich in ihren Elfenbeinturm oder auf eine Bücherinsel zurückzogen, um ihre Liebe zur Literatur ganz allein auszukosten und ihrem Bildungsgut ganz nahe zu sein.
Natürlich war das alles ein in langen Lesejahren erworbenes Bildungsgut und über Jahre vom Munde abgespart, nicht aus der Leihbibliothek und nicht aus dem Bücherschrank. In der Öffentlichkeit sah man sie nur mit „Buchhaltern“, die ihnen das schwere Tragen von Büchern abnahmen und ein mobiles Lesevergnügen ermöglichten.

Das waren noch Zeiten, als man als kleines Kind im Bett lag und von der Mama eine Geschichte vorgelesen bekam. Doch viele Mamas haben, so scheint es, keine Zeit mehr, müssen arbeiten und – das Kind kann Märchen auch selbst lesen, oder auf Knöpfe drücken, was einfacher ist als „Jim Knopf“ zu lesen.

Das waren noch Zeiten, als man sich stöbernd auf die Suche nach einem Titel machte und glücklich war, wenn man sich im Antiquariat einen alten Schinken von ganz oben angeln ließ, oder sich im Bücherlabyrinth verirrt hatte und ganz woanders ankam – bei einem Schatz, der noch nicht vergriffen war, mit dem man sich zurückzog, den Ausblick genoss und versuchte, anhand des Inhalts den Charakter und das Temperament der dargestellten Menschen zu bestimmen.

Doch so ganz ausgestorben sind sie noch nicht, die Lesehungrigen, die sich in Lese- und Literaturgruppen zusammenfinden. Dort erscheint man natürlich nicht mit einem digitalen Lesegerät, sondern mit gebundenen Seiten aus Papier. Die elektronische Lesart, beispielswiese auf kleinen E-Book Readern, überlässt man lieber anderen, beispielsweise denen, die zu wenig Platz in ihrer kleinen Wohnung haben, so dass dort gerade noch ein Flachbildschirm, aber kein Bücherregal mehr hineinpasst.
Früher waren Bücher wie ein Mittelpunkt der Erde, wie ein Globus, um den sich alles drehte. Doch auch dieser stirbt aus, denn die Welt ist eine (Matt)Scheibe, so scheint es. Die Bücherwand wird nur noch von weitem angeschaut – wie der Fernseher, zu dem diese per „Fernumdrehen“ wird.

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: oberflächliche Handlungen und reißerische Titel verkaufen sich am besten. Während Fantasy- und Kriminalromane immer mehr an Zuwachs gewinnen, verliert die Lyrik an Wertschätzung. An der Länge der Texte kann es nicht liegen. Doch die kurzen Texte strengen an, fordern zu viel. Ist also Lesen ist schon längst Schnee von gestern? Denn die „Generation Z“ kennt Bücher nur noch aus der Schule. Oder will diese mittlerweile so umweltbewusste junge Generation einfach nur Papier sparen? Wenn alle nur noch E-Books läsen, müssten weniger Bäume gefällt werden – und das gefällt ihnen!

Vielleicht bekommen die Menschen demnächst nur noch Sprachbefehle und überlassen das Lesen den Hunden, denn diese haben noch ausreichend Zeit zur freien Verfügung. Und weil die Vierbeiner keine Kostverächter sind, lernen die Menschen von ihnen irgendwann, dass es sich lohnt, die literarischen Leckerbissen zu sich nehmen.

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  • Henning Studte
  • Cartoonist
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